Sizilien

sizilien
11. Jh.
Roger I.
Robert Guiscard
Roger II.
Wilhelm I.

Dichterschule
12. Jh.
Wilhelm II.
Tankred
Wilhelm III.
Konstanze

Staufer
13. Jh.
Manfred
Konradin
Karl I.
Peter III.

Vesper

Ob ez der keiser solte swern,
ern kan sich mücken niht erwern;
waz hilfet hêrschaft unde list,
sît der flôch sîn meister ist?

Freidank, S. 98/99
Und sollt der Kaiser darauf schwören,
vor Mücken kann er sich nicht wehren.
Was nützt ihm Klugheit, Macht und List,
wenn selbst der Floh ihm über ist?
Freidank 74,1
[28.11.04]

Allgemein

  Nachdem Sizilien im Frühmittelalter abwechselnd von Vandalen (440), Ostgoten (493), Byzanz (535) und Arabern (827) erobert worden war, setzten sich 1061-1091 die Normannenfürsten Roger I. ( 1101) und sein Bruder Robert Guiscard (1016-1085), der sich seit 1046 an der bereits 1017 begonnen normannischen Invasion Süditaliens beteiligte, durch. [16.3.00]

Herrscher

Roger II. 1130 - 26.2.1154 (14 Jahre)
  * 22.12.1095, in Palermo. - König von Sizilien. Sohn von Roger I.; begründete den sizilianisch-süditalienischen Normannenstaat (Königreich beider Sizilien: Sizilien und das Königreich Neapel); kämpfte gegen Byzanz; wurde 1105 Graf von Sizilien und erlangte 1127 die Herrschaft über Kalabrien und Apulien. Am 22. August 1128 wurde er von Papst Honorius II. als Herzog über alle diese Gebiete anerkannt (seit 1130 Königreich). Roger errichtete ein auf Erbfolge beruhendes, gottunmittelbares Königtum mit einer autokratisch-beamtenstaatlichen Organisation auf der Grundlage der Assisen von Ariano (1140), in denen byzantinische, arabische, fränkische und römischrechtliche Elemente zu einem einheitlichen Gesetzeswerk verschmolzen. [VoL 9, S. 651] [16.3.00]

Wilhelm I., "der Böse", 4.4.1154 - 27.3.1166 (12 Jahre)
  *, in Palermo. - Am 8. April 1151 von seinem Vater Roger II. zum Mitkönig erhoben, wodurch dieser die Barone vor vollendete Tatsachen stellen und eventuelle Nachfolgekämpfe unterbinden wollte.
  In den ersten Jahren seiner Regierung verfolgte Wilhelm die politische Linie seines Vaters, wobei er besonders auf eine Stärkung der Monarchie und Vermeidung der Isolation abzielte. Während seiner Regierungszeit kam es wiederholt zu Aufständen, die er mit erbarmungsloser Härte niederschlug. Viele Barone wurden getötet, verstümmelt oder gefangengesetzt. Am 9.3.1161 wurden er, die Königin und die Kinder von Verschwörern gefangen und der Palast geplündert, die Archive verbrannt. Nach einem Übereinkommen wurde er wieder freigelassen. Er herrschte weiter mit gewaltsamen Unterdrückungsmaßnahmen in einem Klima der Angst und des Mißtrauens.
  In seinen letzten Regierungsjahren verfiel Wilhelm in ein Leben ausschweifenden Müßiggangs und ergab sich dem Luxus und Vergnügungen. S. Tramontana, [LdM IX, Sp. 131 f. - gekürzt] [26.10.04]

Wilhelm II., "der Gute", 17.5.1166 - 18.11.1189 (23 Jahre)
  * um 1153, in Palermo. - Sohn Wilhelms I. Beim Tode seines Vaters als ältester überlebender Sohn zur Nachfolge designiert und der Regentschaft seiner Mutter und eines Regentschaftsrates anvertraut. Die Quellen bieten ein Bild, das dem Ideal des gerechten, frommen und guten Königs entspricht. 1174 Gründung des Benediktinerklosters S. Maria Nuova. Seine Politik vermittelt den Eindruck, daß es ihm im wesentlichen gelang, ein Kräftegleichgewicht herzustellen und dem Königreich eine Periode der Ruhe und des Friedens zu sichern, die im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren als besonders wohltuend erschien. Trotzdem sprechen einige Quellen von sozialen Spannungen und Bauernaufständen.
  Außenpolitisch sind seine Verhandlungen mit Friedrich I. Barbarossa im Winter 1183/84 von besonderer Bedeutung. Das Ergebnis bestand nicht nur in einer Allianz zwischen dem Kaiser- und dem normannischen Königreich, sondern auch in der Möglichkeit, daß die Krone von Sizilien an den künftigen Kaiser übergehen könnte. Diese Möglichkeit verwirklichte sich auf dramatische Weise durch seinen frühen Tod. Selbst kinderlos, hatte er der Heirat der Tochter Rogers II. und Erbin der Krone, Konstanze, mit dem 19jährigen Sohn Friedrichs I., Heinrich VI. zugestimmt. S. Tramontana, [LdM IX, Sp. 133 f. - gekürzt] [26.10.04]

Tankred von Lecce 18.1.1190 - 20.2.1194
  * um 1130, in Sizilien. - Enkel Rogers II. Am Königshof erzogen, 1161 wegen Beteiligung an der Verschwörung gegen Wilhelm I. verbannt. Nach dessen Tod begnadigt, wurde Tankred zum Grafen von Lecce. 1185 Befehlshaber der normannischen Flotte gegen Byzanz. 1189/90 von einer am Hof von Palermo die Mehrheit stellende Partei zum König gewählt und gekrönt. Hinderte zeitlebens Heinrich VI. daran, die Königskrone zu gewinnen. Es gelang ihm sogar, die Kaiserin Konstanze gefangenzunehmen, wobei er dieses kostbare Faustpfand jedoch - unter nicht geklärten Umständen - wieder verlor.
  Außenpolitisch sicherte er sich u.a. durch ein Entgegenkommen gegenüber Richard Löwenherz (1190) und kirchenpolitischen Zugeständnissen gegenüber Papst Coelestin III. (1192) ab. Von dem hohen Niveau seiner Kanzlei zeugt die Tatsache, daß sich noch die frühstaufisch-sizilianische Kanzlei in beachtlichem Umfang auf seine bewährten Kanzleikräfte und Urkundenmuster gestützt hat. H. Zielinski, [LdM VIII, Sp. 456 f. - gekürzt] [26.10.04]

Wilhelm III. (1194 - 1198)
  * um 1185, in Deutschland. - Sohn Tankreds. Nach dessen Tod Akklamation zum König. Im gleichen Jahr Flucht vor Heinrich VI. Dieser bot großzügige Kapitulationsbedingungen. Nach der Unterzeichnung des Vertrages nahmen Wilhelm und seine Mutter Sybille an Heinrichs Krönungszeremonie in der Kathedrale von Palermo teil. Einige Tage später wurden die königliche Familie und zahlreiche Barone unter der Anschuldigung, ein Komplott organisiert zu haben, gefangengesetzt und nach Deutschland deportiert. S. Tramontana, [LdM IX, Sp. 134 - gekürzt] [26.10.04]

Konstanze, (1194/97) - 27.11.1198
  * 1154, in Sizilien. Römisch-deutsche Kaiserin, Königin von Sizilien. - Postume Tochter Rogers II.. Zusammen mit ihrer Mutter, Beatrix von Rethel ( am 28.11.1198, also einen Tag nach ihr) verbrachte sie Kindheit und Jugend am Palermitaner Königshof. Ihre späte Hochzeit mit Heinrich VI. (27.1.1186) festigte den seit 1177/83 bestehenden Frieden zwischen Sizilien und dem Reich. Krönung zur Kaiserin am 15.4.1191. Kurz nach der Eroberung Siziliens durch Heinrich VI. Geburt Friedrich II. Ostern 1195 [Weihnachten (26.12.) 1194]. Während der Abwesenheit des Kaisers mit der Regentschaft beauftragt. Sie selbst hat diese Herrschaft freilich kraft eigenen Rechts als Erbin ihres Vaters beansprucht und sich ganz in die Tradition ihrer normannischen Vorgänger gestellt.
  Nach dem Tod des Gemahls am 28.9.1197 herrschte sie als Souverän. Bewegungsfreiheit verschaffte ihr die Ausweisung aller Deutschen. Trotz ihrer intensiven Bemühungen, Friedrich II. auch die Option auf das Kaiserreich offen zu halten, scheiterte sie an der unnachgiebigen Haltung des Papstes Innozenz' III. Friedrich verzichtete mit seiner Krönung auf den römischen Königstitel. Sie sollte sogar dem Papst gegenüber den Lehenseid leisten, was ihr plötzlicher Tod 1198 verhinderte.
  In ihrem bruchstückhaft überlieferten Testament setzte sie Innozenz III. zum Vormund ihres Sohnes ein. So brachte ihre Regierungszeit nicht nur eine Wiederherstellung, sondern sogar eine Verstärkung des päpstlichen Einflusses auf den sizilianischen Lehensstaat. Th. Kölzer, [LdM V, Sp. 1406 f. - gekürzt] [16.3.00 - komplett geändert 26.10.04]

  Damit war der vierjährige Friedrich II. König. Bis zu seiner Volljährigkeit wurde Sizilien jedoch vom Papst verwaltet resp. regiert. Erst ab 1220 hielt sich Kaiser Friedrich für die nächsten 15 Jahre und ab 1237 für den Rest seines Lebens in Palermo auf. Nach seinem Tod (1250) ging die Herrschaft an Konrad IV. über, der jedoch schon 4 Jahre später starb. Dessen Sohn Konradin war zu diesem Zeitpunkt jedoch erst 2 Jahre alt. [26.10.04]

Manfred 1254 - 26.2.1266 (12 Jahre)
  * 1232, bei Benevent. - Sohn Friedrichs II. Führte zunächst die Regentschaft Konrads IV. in Sizilien. 1254 nahm er unter ungeklärten Umständen den Schatz der Staufer in seine Gewalt; siegte in diesem Jahr nach vorübergehender Anerkennung des Papstes Innozenz IV. als Lehnsherrn Siziliens gegen die Päpstlichen bei Foggia. Manfred ließ sich 1258 zum König von Sizilien und Apulien krönen und wurde dadurch exkommuniziert, erlangte aber weitere Vormachtstellung durch den Sieg seiner mit den Ghibellinen verbündeten Truppen (1260). Es gelang ihm nicht, mit Papst Urban IV. ein Einvernehmen über die Rolle Siziliens herzustellen. Dieser unterstützte Karl I. von Anjou gegen ihn. In einer Schlacht gegen Karl I. wurde Manfred getötet. Seine Frau und seine Kinder wurden eingekerkert.
  Manfreds Herrschaft hatte keine legitime Basis: er handelte gegen den Papst, seinen obersten Lehnherrn, und zum Schaden Konradins. Zudem regierte er mit Härte, aber nicht ohne staatsmännisches Geschick. F. Cardini, [LdM VI, Sp. 192 - gekürzt] [26.10.04]

Konradin (1254 - 1258 / 29.10.1268)
  * Burg Wolfstein (bei Landshut) 25.3.1252, Neapel.
(Italienisch Corradino), eigentlich Konrad, Herzog von Schwaben, Sohn König Konrads IV., letzter Staufer. Als Papst Clemens IV. nach dem Tod König Manfreds 1266 das staufische Königreich Sizilien an Karl von Anjou verlieh, zog Konradin 1267 nach Italien, um seine Ansprüche durchzusetzen, wurde aber 1268 bei Tagliacozzo gefangen genommen und im selben Jahr in Neapel gerade einmal 16jährig öffentlich hingerichtet (enthauptet). [PC-Bib] [26.10.04]

Karl I. von Anjou, 1265 - 7.1.1282 (17 Jahre)
  * März 1226, Foggio. - König von Sizilien und Neapel. Erhielt 1246 von seinem Bruder Ludwig IX. von Frankreich die Graftschaft Anjou und erwarb die Provence. Beendete die Stauferherrschaft. Er sorgte auch dafür, daß die übrigen staufischen Kinder, deren er habhaft wurde, ins Gefängnis geworfen wurden. Als letzter Staufer starb Heinrich, ein Sohn Manfreds, (um 1262 - 1318) nach 52-jähriger Gefangenschaft - also im Prinzip sein ganzes Leben) [26.10.04]
  Der Haß gegen Karl und die französischen Amtsträger entlud sich in der Sizilianischen Vesper (1282), die die Trennung Siziliens vom Königreich Neapel zur Folge hatte. [VoL 6, S. 218] [16.3.00]

Peter III. von Aragonien, 1282 - 10.11.1285 (3 Jahre)
  * zwischen 1238 und 1243, Vilafranca del Penedès (Provinz Barcelona). - Setzte als Schwiegersohn Manfreds Ansprüche auf das staufische Erbe in Sizilien gegen Karl I. von Anjou und trotz päpstlichen Banns durch. Damit gehörte Sizilien [bis etwa 1707] zum Königreich Aragón in Spanien. [VoL 9, S. 20] [16.3.00]

Begriffe

Sizilianische Dichterschule
  [Scuola siciliana (um 1220 - 1260)]. Gruppe von Dichtern (Pier della Vigna, Giacomo da Lentini u.a.) am Hofe Kaiser Friedrichs II. in Palermo, die mit ihrer Lyrik des provenzalischen Minnesangs an der Ausbildung der italienischen Schriftsprache beteiligt waren. [VoL 10, S. 558; Stein] [16.3.00]

Sizilianische Vesper
  Aufstand der Bürger Palermos gegen die Herrschaft Karl I. von Neapel-Sizilien, der am Ostermontag (30. März) 1282 zur Vesper ausbrach und auf ganz Sizilien übergriff. Mit der Intervention Peter III. nahm der Konflikt europäische Ausmaße an. Die Niederlage Karls bedeutete die Preisgabe Siziliens an Aragonien, eine entscheidende Voraussetzung für den Aufstieg des späteren Spanien zur Weltmacht. [VoL 10, S. 558] [16.3.00]