Geschichte
und Beschreibung des
Herzogthums Gotha 1

von
Johann Georg August Galletti
(nebst einigen anderen Dokumenten)
galletti
Chronologie
Vorgeschichte
Krieg
Schule
Hochheim
Tambach
Waldenfels
Wangenheim
Winterstein

Chronologie
1086Kloster Reinhardsbrunn gestiftet.
1130 [ca.] Kloster Volkenroda gestiftet.
1142 Kloster Georgenthal gestiftet.
1226 Hospital zu Gotha gestiftet.
1228 Kloster Blastenzelle.
1251 Kreuzkloster zu Gotha gestiftet.
1258 Münze zu Gotha.
---- Ursprung des Augustinerklosters zu Gotha.
1262 befindet sich Landgraf Albrecht zu Gotha.
1290 war Apitz Landesherr im Gothaischen.
1293 verkauft Landgraf Albrecht Thüringen.
1296 verwüstet König Adolph die Gegend um Gotha.
1306 nimmt Landgraf Friedrich I. Gotha ein.
1314 starb Landgraf Albrecht.
 [4. Teil, S. 289-91]

Vorgeschichte

Markgraf Heinrich (1249-50)
Herzogin Sophie (1250-56)
Hermann von Henneberg (1256-62)
Landgraf Albrecht (1263-67)
Kunegunde von Eisenberg (- 71)
Friedrich der Unartige (1279-88)
Kaiser Rudolf (1289)
Verkauf Thüringens (1290-91)

Nach Raspes Tod (1242-1248)
  1. Landgraf Heinrich Raspe hatte, als er merkte, daß er keine Erben hinterlassen würde, bereits 1242 dem Sohne seiner Stiefschwester Jutta, Markgraf Heinrichen dem Erlauchten von Meissen, die kaiserliche Anwartschaft auf Thüringen ausgewürkt. Es machten aber nach seinem Tode noch mehrere Anverwandten darauf Anspruch. Unter diesen befand sich Landgraf Ludewigs IV Tochter Sophie, welche mit dem Herzoge von Lothringen und Brabant vermählt war, und Thüringen für ihren kleinen Sohn Heinrich verlangte. Jede von den streitenden Parteyen suchte sich Anhänger zu verschaffen. Dieses gab den Edeln des Landes eine günstige Gelegenheit, sich in Ansehen zu setzen und eine Burg über die andere zu bauen. So entstand der Scharfenberg der Herren von Kobenstedt, der Kalenberg der Herren von Wangenheim, der Steinfürst der Herren von Salza zu Döllstedt; lauter Schlösser im Herzogthum Gotha. Die Befehdungen waren jetzt häufiger als jemals. Zwey Ritter, Herwig von Hörselgau und Hanns Atze, rückten z. B. plötzlich vor Eisenach und nahmen alles Vieh weg, was sie auf der Weide antrafen. Die Voigte von Kreuzburg, von Tenneberg und die Bürger von Eisenach verfolgten sie zwar. Es wurden aber viele von ihnen erschlagen und die beyden Vögte gefangen genommen. Eben so fielen, auf Himmelfahrtstag 1248, zwey Ritter, Hermann ingleichen Heinrich von Ballstedt, aus dem Schlosse Hermannstein, unweit Reinhardsbrunn, plötzlich in ein Gut des Klosters Georgenthal ein. Hier raubten sie das Vieh nebst allem Hausrathe, verwundeten den Kellner Konrad nebst achtzehn andere Mönchen und Dienern, so daß einer an der empfangenen Wunde sterben mußte, und zogen wieder davon. Ritter Heinrich wurde aber von dem Markgrafen, einige Zeit darauf, in seinem Schlosse zu Hausen belagert.

Markgraf Heinrich (1249-1250)
  2. Markgraf Heinrich hatte aber besonders an dem Schenken, Walther von Vargel einen treuen Anhänger. Doch die Grafen von Schwarzburg, von Käfernburg und Graf Heinrich von Gleichen, wollten ihm den Besitz des Landes Thüringen nicht so ruhig überlassen. Da verwüstete der Schenke, mit Hülfe der markgräflichen Truppen, ihre Dörfer. Hierüber griffen die Grafen zu den Waffen. Graf Heinrich führte die Mannschaft der vereinigten an und der Sieg war bereits erfochten, als der Burggraf von Kirchberg Walthern zu Hülfe eilte, und vier Grafen nebst zwanzig anderen Rittern und Edelleuten gefangen bekam. Dieß geschah unweit Mühlhausen. Unter den Gefangenen befanden sich die vier Grafen, Günther und sein Sohn Berthold von Käfernburg, Heinrich und Günther von Schwarzburg. Der Schenke verwüstete ihre Güter und sie mußten ihre Freyheit mit vielem Gelde erkaufen. Doch Markgraf Heinrich kam noch in diesem Jahre nach Thüringen, verwüstete die Güter derjenigen Grafen, welche seine Feinde waren, schloß Erfurt drey Tage lang vergebens ein und eroberte Ritter Heinrichs von Ballstedt Schloß zu Hausen. Er behauptete überall die Oberhand. Dieses bewog Graf Günthern und seinen Sohn Berthold von Käfernburg, Graf Heinrichen und Graf Günther von Schwarzburg und verschiedene andere thüringische Grafen und Herren, sich ihm zu Weissenfels zu unterwerfen und alle, seit Heinrich Raspens Tode, neu erbaute Bergschlösser niederzureissen. Die darüber ausgefertigte Schrift bezeichnet den 1ten Julius 1249. Graf Heinrichs von Gleichen wird in dieser Urkunde nicht gedacht. Ja, sein Sohn, Erwin, setzte noch die Feindschaft gegen Markgraf Heinrichen fort und dieser beraubte ihn deswegen der Gerichtsbarkeit über die Dörfer Töttelstedt, Zimmern, Ufhausen, Bienstedt und Heubach. Graf Ernst von Gleichen, sein älterer Bruder, befand sich hingegen auf des Markgrafen Seite und wohnte unter andern der fürstlichen und gräflichen Versammlung mit bey, welche Heinrich der Erlauchte (1250) zu Buttstedt hielt.

Herzogin Sophie (1250-1256)
  3. Markgraf Heinrich hatte indessen, schon 1249 oder zu Anfang des 1250sten Jahres, mit der Herzogin Sophie einen Vergleich geschlossen. Vermöge desselben wollte man den Ausspruch eines rechtmäßigen Kaisers erwarten. Während der Zeit sollte der Margraf, der Rechte eines jeden unbeschadet, sowohl über Thüringen als Hessen zehn Jahre hindurch die Regierung führen. Während der Zeit stifteten Heinrich Setzepfand von Siebeleben und Heinrich von Leina das Nonnenkloster zum heil. Kreuz bey Gotha. Dietrich von Gotha überließ demselben erst 5, hernach 6 Hufen in der dasigen Flur. Beydes bestätigte Markgraf Heinrich. Heinrich suchte hierauf die Ruhe wieder herzustellen. Er hielt deswegen im August des 1252sten Jahres ein Landgericht zu Mittelhausen. Da wurden verschiedene Friedensstörer bestraft und ihre Raubschlösser zerstört. Schon um die Osterzeit dieses Jahres kam der damalige römische König nach Merseburg. Da ließ sich Markgraf Heinrich die Lehn über die Landgrafschaft Thüringen ertheilen. Dieses kam der Herzogin Sophie verdächtig vor. Sie kehrte daher (1254) mit ihrem Sohn nach Hessen zurück und verlangte von dem Markgrafen, er sollte ihr Thüringen abtreten, oder, mit Hülfe zwanzig unbescholtener Männer aus der thüringischen Ritterschaft, die Gerechtigkeit seines Besitzes eidlich erhärten. Heinrich und zwanzig Ritter schworen dieses wider ihre Erwartung. Aeusserst aufgebracht rückte sie 1256 mit einem Heere nach Thüringen und schloß mit dem mächtigen Herzog Albrecht von Braunschweig ein Bündniß. Hierüber entstand ein Krieg, in welchem viele Oerter verwüstet wurden. Endlich war Herzog Albrecht unglücklich, nebst verschiedenen Grafen und dem größten Theil seiner Ritter in Markgraf Heinrichs Gefangenschaft zu gerathen. Dieses baute den Weg zu einem Vergleiche. Sophie leistete auf Thüringen Verzicht und begnügte sich mit Hessen.

Hermann von Henneberg (1256-1262)
  4. Thüringen und besonders auch unser Herzogthum erkannte nun die Herrschaft Markgraf Heinrichs des Erlauchten. Dieser hatte drey Söhne; Albrechten, Dietrichen und Friedrichen und er scheint dem ältesten unter ihnen das neu eroberte Land frühzeitig bestimmt zu haben. Graf Hermann von Henneberg, sein Stiefbruder, verwaltete während des Krieges, die Statthalterschaft über Thüringen. Da bestätigte er nebst seinem jungen Herrn (domicellus) dem Kloster Georgenthal einige Güter, die ihm Dietrich Vippach, genannt Löwenhaupt, verkauft hatte. Der Vertrag wurde von Markgraf Heinrich Schultheißen, Friedrich von Buttstedt, geschlossen. Graf Hermann und der junge Landgraf Albrecht [* 1240] drückten ihr Siegel darunter. Landgraf Albrecht regierte also schon damals Thüringen, unter Aufsicht seines Oheims des Grafen Hermanns. Graf Hermann hielt 1256 Landgericht zu Gotha, als Ritter Gerhard von Remstedt dem Kloster Reinhardsbrunn seine Güter verkaufte. (...) Dieses geschah (so lauten die Worte der Urkunde), als der erlauchte Hermann von Henneberg, im Namen ihres Herrm und seines Bruders, Markgraf Heinrichs von Weissensee, über Thüringen regierte. (...) In einer Urkunde vom folgenden Jahre wird er Landrichter genannt. (...) Markgraf Heinrich kam um diese Zeit [1260] selbst nach Thüringen und zerstörte die Schauenburg und andere Raubschlösser, als den Kalenberg bey Sättelstedt u. s. w. Jenes hatte der Abt zu Reinhardsbrunn im Jahre 1259 wieder aufgebaut und dem Graf Hermann von Henneberg übergeben; Markgraf Heinrich glaubte aber, er könne als ein Anverwandter, zu dem Besitze Thüringens Lust bekommen. Daher zerstörte er es.

Landgraf Albrecht (1263-1267)
  5. Während des Krieges wurde also Thüringen erst von Graf Hermannen von Henneberg und dem jungen Landgrafen Albrecht, hernach von diesem und seinem Bruder Dietrich, gemeinschaftlich regiert. Seit dem Jahre 1263 gehörte es aber Landgraf Albrechten allein und er hielt sich seit der Zeit öfter zu Gotha auf. Doch schon 1262 im Oktober finden wir ihn hier. (...) Im März 1265 ertheilte er zu Gotha, der Stadt Weissensee das Recht, gleich den Städten Eisenach und Gotha, ihr eigenes Gericht zu halten und ihre Bürger nicht vor dem Landgerichte erscheinen zu lassen. Der Rath zu Gotha stellte ein Zeugniß darüber aus. In diesen Monaten eignete er auch dem Kreuzkloster eine Hufe und zwei Weizen zu Leina zu und schenkte ihm das Holz Großperlach. Jenes that er zu Eisenach und dieses zu Erfurt. (...) Im April des 1267sten Jahres bestätigte er dem Kloster Reinhardsbrunn die Schauenburg.

Kunegunde von Eisenberg (- 1271)
  6. Um diese Zeit legte Landgraf Albrecht den Grund zu seinen nachfolgenden widrigen Schicksalen und zu den Unruhen, welche so viele Jahre hindurch in Thüringen herrschten. Seine Gemahlin Margarethe, die Tochter Kaiser Friederichs II., war eine tugendhafte und liebenswürdige Fürstin und er hatte zween Söhne mit ihr gezeugt. Demungeachtet verliebte er sich in eine ihrer Hofdamen, welche Kunegunde von Eisenberg hieß und diese gebahr sogar einen Sohn, Nahmens Albrecht, den der Pöbel nur den Apeß (den kleinen Albrecht) nannte.
  Kunegunde wünschte endlich ihre Gebieterin aus dem Wege zu schaffen und ein Eselstreiber erhielt, wie man erzählt, von ihr den Auftrag, dieses auszuführen. Den Eselstreiber aber rührte das Schicksal der unglücklichen Fürstin und er entdeckte ihr den Anschlag. Sie ergriff also mit Hülfe ihres Hofmeisters die Flucht. Vorher aber biß sie ihren ältesten Sohn Friedrich in die Wange. [Womit er seinen Beynamen weg hatte.] Die Äbte von Hersfeld und von Fulda unterstützten die Flucht der Margarethe und sie kam glücklich nach Frankfurt am Main. Hier endigte sie vor Kummer und Betrübniß das folgende Jahr (1271) ihr Leben. (Sein Bruder übernahm die Erziehung der zween Söhne und Albrecht ließ sich mit Kunigunde ordentlich antrauen.)
  Diese Aufführung verschaffte ihm den Beynahmen des Unartigen (Degener). Doch hat er sich gegen die Klöster und Kirchen, und besonders gegen das gothaische Kreuzkloster so ziemlich artig erwiesen.

Friedrich der Unartige (1279-1288)
  7. (...) 1279 hielt er mit verschiedenen thüringischen Grafen vor Döllstedt eine Zusammenkunft. Bey dieser Gelegenheit zog er Graf Albrechten II von Gleichen allen übrigen vor. Vielleicht gieng seine vornehmste Absicht bey dieser Unterredung dahin, daß er die thüringischen Stände bewegen möchte, seinen unehelichen Sohn Albrecht für ihren zukünftigen Herren zu erkennen. Die Grafen von Gleichen, von Käfernburg, von Mühlberg und die Erfurter ließen sich den Vorschlag auch würklich gefallen. Die meisten aber hielten ihn für höchst ungerecht.
  Friedrich und Dietrich, Albrechts rechtmäßige Söhne, waren indessen ziemlich erwachsen. Sie griffen daher, von den Grafen von Schwarzburg, den Grafen von Beichlingen, den Herren von Schlotheim und anderen unterstützt, zu den Waffen. Im Jahr 1281 fieng der Krieg an. Friedrich bekam einen Bischof, welcher seines Vaters geheimer Rath war, mit seinen Leuten gefangen und führte ihn nach Schlotheim. Dieses verdroß Landgraf Albrechten sehr. Er gab daher Graf Günthern von Käfernburg den Auftrag, auf seinen Sohn zu lauern und dieser nahm ihn glücklich gefangen und brachte ihn zum Vater auf die Wartburg. Da mußte er ein ganzes Jahr lang sitzen und er wäre beynahe Hungers gestorben, wenn die mitleidigen Hofbedienten nicht für ihn gesorgt hätten. Endlich setzten ihn einige von seinen Anhängern wieder in Freyheit.

Kaiser Rudolf (1289)
  8. Das folgende Jahr starb Landgraf Albrechts Bruder Dietrich (um dessen Besitz sich dann Albrecht mit seinen zween Söhne stritt). In eben diesem Jahre [1289] kam Kaiser Rudolf mit einem großen Gefolge nach Erfurt. (...) Albrecht ließ seinen Sohn Apitzen von dem Kaiser für ehelich erklären und seine ganze Absicht gieng dahin, ihm die Landgrafschaft Thüringen zu hinterlassen. (...) Dieses verdroß seine rechtmäßigen Söhne. Der älteste Friedrich, lauerte seinem Vater auf und bekam ihn zwischen Gotha und Eisenach gefangen. Er wollte ihn nöthigen, daß er ihm und seinem Bruder Dietrich Thüringen noch bey seinem Leben huldigen ließ. Er mußte ihn aber, auf Verlangen Kaiser Rudolfs (1289) wieder in Freyheit setzen. Albrecht verpfändete und verkaufte nun ein Gut nach dem anderen und wendete das Geld dem Apiz zu. (Er bat um die Lehn und erhielt sie).

Verkauf Thüringens (1290-1291)
  10. Als er nun sah, daß er die thüringischen Herren auf keine Art bewegen konnte, seinem Sohne Apiz die Huldigung zu leisten, faßte er den verzweifelten Entschluß, Thüringen zu verkaufen und das Geld dem Apitz und seiner Mutter zuzuwenden. Er bot es verschiedenen Fürsten an: sie schlugen es aber aus. Nun hatte König Adolf von Nassau, welcher König Rudolfen 1291 gefolgt war, mit dem König Eduard I. von England wider König Philipp dem Schönen von Frankreich, sich in ein Bündniß eingelassen und jener zahlte ihm 30000 Mark Silber. Dieser fand sich daher geneigt, Landgraf Albrechts Anerbieten anzunehmen und 12000 Mark Silber war der Kaufpreis, wofür ihn Albrecht Thüringen überließ. Doch behielt er sich das Schloß Wartburg auf Lebenszeit vor.

Krieg

[Samanek, Roth, Wegele]
Dietrich
Friedrich, Albrechts Tod

Adolf von Nassau
  Aber seine Söhne, Friedrich und Dietrich, widersprachen diesem Kauf auf das lebhafteste, und die meisten thüringischen Herren ergriffen ihre Partey und wollten dem Kaiser nicht huldigen. Da rückte derselbe im Herbste des 1294sten Jahres, mit einem großen Heere nach Thüringen und nahm eine Stadt und ein Schloß nach dem anderen ein.
  Einige thüringische Herren vereinigten sich aber mit den jungen Markgrafen, Friedrich und Dietrich und thaten ihm tapfren Widerstand. Da zog Adolf das folgende Jahr [1295] mit noch mehreren Truppen nach Thüringen. Diese raubten und plünderten und verheerten das Land auf eine entsetzliche Art; sie schonten weder Witwen noch Waisen, weder Kirchen noch Klöster. Alle Weibespersonen, selbst die Klosterjungfrauen, waren vor ihrer Wollust nicht sicher und manche Frauenschänder wurden heimlich von den Leuten todtgeschlagen. Kurz, die Geschichtsschreiber dieses Zeitalters können ihre Grausamkeiten und Schandthaten nicht lebhaft genug schildern. Einige selbst dem Landgrafen ergebene Voigte, wagten es daher, dieser Wuth Einhalt zu thun und da wurden viele von diesen Bösewichtern hier und da todtgeschlagen und gefangen genommen. Der Kaiser [Adolf war nur König] verspürte diesen Abgang seines Heers und zog sich bis nach Mühlhausen zurück. Vorher hatte er sein Lager bei dem Dorfe Mittelhausen aufgeschlagen. Da ließ er (den 2ten Oktober) eine Verordnung an die Stadt Nordhausen ergehen, vermöge welcher sie Landgraf Albrechten so lange huldigen sollte, bis er ihm 2000 Mark freybergischen Silbers, erfurtischen Gehaltes, würde bezahlt haben.

  11. Im Jahre 1296 rückte Kaiser Adolf zum drittenmale nach Thüringen und da war besonders das gothaische Land der Schauplatz des Krieges. Er verwüstete nicht nur die Felder um Gotha, Sonneborn und Ersa, sondern auch einige Oerter am thüringer Walde. Viele zwang er, sich ihm zu unterwerfen. Denjenigen, die sich weigerten, wurden ihre Häuser geplündert und abgebrennt. Es begleiteten ihn Abgeordnete vom Landgraf Albrecht, welche für ihn sprachen, und die Leute ermahnten, ihm zu huldigen. Kaiser Adolf zog bey einbrechendem Winter wieder nach Hause. (...)
  "Wenn es nun auch ein Reichskrieg war, den der König zu eröffnen im Begriffe war, so könnte man darum doch nicht sagen, daß es ein Reichsheer war, mit dem er denselben führen wollte. Vielmehr war es - und es ist das immerhin bezeichnend für die Lage der Dinge - der bei weitem geringste Theil, auf den diese Bezeichnung angewendet werden düfrte, der größte dagegen bestand aus Soldtruppen, die vorzugsweise in den Rheinischen Gegenden geworben worden sind und die dann in Thüringen und Meißen einen so überaus schlimmen Ruf hinterlassen haben, daß man nicht umhin kann, auf ihre Vergangenheit und Zusammensetzung einen ihnen höchst ungünstigen Schluß zu ziehen. (S. 188 f.)
  Gleichwohl benahmen sich die königlichen Truppen von Anfang an so zuchtlos und räuberisch, als wären sie als Feinde in Feindes Land gekommen. Es liegt auf der Hand, daß ein solches Benehmen in dem mißhandelten Lande die erschreckten Gemüter der Sache des Königs nicht geneigter zu machen im Stande war; es dauerte auch nicht lange, so schritt das erbitterte Volk zur Selbsthilfe und nahm an einigen der Vornehmeren im Heere des Königs, die in seine Hände fielen, exemplarische Rache. (S. 191)
  Auch der Erzbischof Gerhard von Mainz, der dem Könige nach Thüringen gefolgt war, stellte sich hier [in Mittelhausen - s. Leben (1294)] bei dem Könige ein; noch immer waren ihre Beziehungen äußerlich ungetrübt und Adolf unterließ nicht, dem Manne, dem er vorzugsweise seine Erhebung zu verdanken hatte, sich gefällig zu erweisen. (S. 193)
  Es war dies der Anfang des Bruches zwischen Adolf und Gerhard. Von Mittelhausen schlug der König die Richtung nach dem Osterlande ein. Noch vom ersteren Orte aus hatte sein zuchtloses Heer in der schon bezeichneten Art die Umgebung heimgesucht. Selbst auf einem Zuge gegen die Burg Raspenberg, die wie einige andere Burgen von Anhängern Diezmanns [Gallettis Dietrich] besetzt gehalten und vertheidigt wurde, sind von den entsendeten Schaaren so arge Dinge verübt worden, daß das erbitterte Volk jene Rache an den Betroffenen nahme, die wir schon angedeutet haben. Noch an dem Tage des Aufbruchs muß Adolf nach Vippach gelangt sein. Und hier wiederholte sich der Unfug. Die Kirche des h. Andreas wurde gewaltsam erbrochen und geplündert; der König, der in der Nähe war und herbeigerufen wurde, hielt es schon um seiner selbst willen für gerathen, ein Beispiel zu statuieren und ließ jedem der Kirchenräuber, als er heraustrat, die rechte Hand abhauen" [Wegele, S. 194 f.].
  "Da die Gegend von Lebensmitteln entblößt war, zog der König ab, zumal Diezmanns Leute die Verproviantierung der Königlichen in weiterem Umkreise aus den von ihnen besetzten Burgen hinderten, auch die Bewohner bei Raspenberg auf einer Streife einige Edle vom Rheine mit ihren Mannen bei Beraubung eines Klosters geschlagen und gefangen hatten, worauf sie dieselben verstümmelt zum Spotte des Volkes, das dieses in Liedern noch lange besang, dem Könige wieder zurücksandten" [Roth, S. 213].
  "Nach der Einäscherung von Groitsch [Dez. 1294] wandte sich der König gegen Leipzig, das sich ergab (..) Von Leipzig zog letzterer weiter [vor Weihnachten], doch stand er von einem Einfalle in Meissen vorerst ab, da die vorgerückte Jahreszeit mit ihrer ungewöhnlich hohen Kälte seinem Heer schwer zusetzte, dasselbe herbe Verluste erlitten hatte durch die Kämpfe mit den Bewohnern (..) Nachdem er für die Verwaltung des eroberten Landes Vorkehrungen getroffen und eine entsprechende Abtheilung des Heeres im Osterlande als Besatzung zurückgelassen hatte" [Roth, S. 214], führte er "den andern [Teil] nach Thüringen" [Wegele, S. 199] zurück [weiter s. Leben (1295)].
  Am 8. Januar 1295 findet ein Hoftag in Mühlhausen statt. "Auch Landgraf Albrecht mit seinem Sohne Apitz ist hier erschienen und hat etwa acht Tage am königlichen Hoflager verweilt." Er reorganisiert den Landfrieden und ernennt "Gerlach von Breuberg zum Hauptmann desselben und überhaupt zum Stellvertreter des Königs in Thüringen. Wir vermuthen aber zugleich, daß Adolf eben hieher die Herren und Städte Thüringens eingeladen hatte, um jenen Landfrieden beschwören und sich und dem Reiche förmlich huldigen zu lassen. Der Aufenthalt in Mühlhausen hat etwa zehn Tage gedauert. Indeß hat die Stadt die aus der längeren Anwesenheit des Königs ihr erwachsenden Lasten mit um so lebhafterem Unmuthe ertragen, als das übermüthige und zuchtlose Gefolge des Königs sich herausfordernde Unarten erlaubte. Das ging so weit, daß zuletzt die Bürger in offenem Aufruhr sich erhoben, in Folge dessen Blut geflossen ist und der König persönlich in Gefahr gekommen sein soll. So wird denn sein Abzug aus der erbitterten Reichsstadt nicht besonders erhebend gewesen sein (..) Adolf selbst schlug den Weg nach Eisenach ein, wo er zwei Tage später angelangt ist; aller Wahrscheinlichkeit nach hat ihn Landgraf Albrecht mit seinem Sohne Apitz dahin begleitet. Nach einem kurzen Aufenthalte in dieser Stadt hat er sich nach Fulda und von da weiter nach dem Süden des Reichs gewendet. Die Vermuthung liegt nahe, daß ein wenn auch kleiner Theil der mitgebrachten königlichen Truppen bei dem Stellvertreter des Königs zurückgeblieben sind" [Wegele, S. 201 f.].
  "In Thüringen selbst suchte er sich durch Geldspenden die Dienste und Anhänglichkeit der Edlen des Landes zu verschaffen, so gewann er die Grafen Otto von Anhalt, von Orlamünde, Beichlingen, Kevernburg, Rabenswalde, Schwarzburg und die Herren von Querfurt, Friedrich von Schlotheim, Ernst von Tullstedt und Andere, auch dürfte die vom König zu erwartende Reichsunmittelbarkeit ihrer Häuser sie demselben zugewandt haben (..) Noch während seiner Anwesenheit hatten Diezmanns Anhänger Unruhen erregt und sich mit den Königlichen in einem Treffen bei Eschenberge, nördlich von Gotha, gemessen, das zu der letzteren Nachtheil ausfiel" [Roth, S. 223]. [27.7.06]

Dietrich
  Nach dem Tode König Adolfs, welcher sich 1298 ereignete, nahmen die Söhne Albrechts Thüringen wieder in Besitz. Doch übten Landgraf Albrecht und sein Sohn Apitz noch öfters Landesherrnrechte in Gotha und den benachbarten Oertern aus.
  13. Seit dem Jahre 1298 nahm sich Dietrich Thüringens mit besonderem Eifer an. (...) Ja, schon 1294 bestätigte er, nebst seinem Vater Albrecht, dem Kloster Georgenthal das Schloß Waldenfels, und 1299 that er eben dieses in Gesellschaft seines Vaters und seines Bruders. 1302 gewährte er dem Kreuzkloster das Patronatrecht der Marienkirche zu Gotha, und 1306 übergab er daselbst dem Kloster Georgenthal den sogenannten freyen Wald und einige Hufen; auch bestätigte er dem Kloster Reinhardsbrunn die Gerichte über seine Dörfer.

  "Anno 1302 wurden die Städte Erfurt, Mühlhausen und Nordhausen sehr von den Edlen des Landgrafen in Thüringen bedränget, darum zogen die von Erfurt und Mühlhausen vor Hopfgarten, gewannen das und brachens im Grunde ab, fingen 39 Ritter darauf, die sie mit ihren Knechten gen Erfurt führeten.
  Dieweil nun viel Rauberei im Thüringer Lande von den Schlössern geschahe, und die von Erfurt auch viel Schadens erlitten, konnten sie solches die Länge nicht ertragen, sondern schrieben denen von Mühlhausen und Nordhausen um Hülfe und zogen auf ihre Feinde, überwanden dieselben mit der von Mühlhausen Beistand, davon dann in ihrer, der von Erfurt, Willkür geschrieben stehet, wie folget: Da man zählte nach Christi Geburt 1304, da fuhren die achtbaren Herrn von Erfurt am S. Walpurgistage [1. Mai] über die Saale und legten sich mit der Stadt Kraft vor die drei Edelhäuser, die genannt sind Kirchberg, Winterberg und Greifenberg [bei Jena], und überwanden sie mit der Gottes Hülfe, also daß derselben endlich zwei zerbrochen, Kirchberg und Winterberg. Greifenberg bestand an der Stadt Gewalt so stetiglich, daß sie dasselbige Haus besetzten und thaten daraus und ein, was sie wollten" [Jordan, S. 66 f.].

[1. Teil, S. 96-112]

Friedrich, Albrechts Tod
  In den folgenden Jahren kommt es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Friedrich und dem König und den Erfurtern wie 1307:

  "Höret, was danach geschah, als man schrieb 1307! Als der Römische König Albrecht vernahm, daß sein Volk und Städte Erfurt, Mühlhausen und Nordhausen zumal sehr von den thüringischen Herren und dem Markgraf Friedrichen verdrückt und sehrlichen beschädiget worden in dem Lande zu Thüringen, da sammelte er ein groß Heer nach Pfingsten und sandte das auf den Markgrafen Friedrichen in das Osterland. In dem Heere waren Oesterreicher, Böhmen, Schwaben, Baiern und allerlei Volk. Da kamen Markgraf Friedrich samt den Herzogen von Braunschweig und thüringischen Grafen des Königs Heer bei dem Dorfe Lucka entgegen und erschlugen des Königs Volk ohnmaßen viel, und ward der Streit so heftig und so groß, daß die Schwaben die toten Rosse aufschnitten und warfen das Gebütte aus und krochen in die Pferde. Das geschah an S. Petronella Tage [31. Mai]; davon kam das Sprichwort: Es gehet dir als den Schwaben bei Lucka" [Jordan, S. 69].

  Und besonders in den sieben Jahren von 1309-1315: "Während der Zeit wurde das Land nicht gebaut und es erfolgte eine große Hungernoth, welche viele Menschen hinwegraffte" [S. 116]. 1314 "starb sein Vater, Landgraf Albrecht, zu Erfurt in elenden Umständen. Er hatte dieser Stadt verschiedene nahegelegene Dörfer überlassen, dafür versprach sie ihn und ein Gefolge von zwölf Personen, auf seine Lebenszeit, zu unterhalten. Er lebte aber zu verschwenderisch und verschmauste oft in einem Tage, was auf mehrere dienen sollte. Daher litt er zuweilen großen Mangel und jedermann verachtete ihn. Seine Gemahlin und sein Sohn bekümmerten sich auch nicht um ihn. So endigte Albrecht der Unartige, der unserm Lande so vieles Unglück zugezogen hatte, sein Leben" [S. 117].

Einige Auszüge

Schule
  Der Schulmeister: Dietrich.
  Letzterer wird der Aufseher und Lehrer der Kinder daselbst (rector & informator parvulorum ibidem) genennt. In einer Urkunde von 1295 heißt er Rektor der Schüler, und 1299 bloß Rektor der Kinder zu Gotha. Das letzteremal bekleidete er bey Landgraf Albrecht dem Jüngeren [Apitz] die Stelle des Sekretärs, und da führt er den Titel eines Magisters. Gotha hatte also damals eine Schule, deren Rektor Magister war. Sie befand sich bey der Margarethenkirche.
[2. Teil, S. 25]

Hochheim
  Es gränzt gegen Morgen an Westhausen, gegen Mittag an Goldbach, gegen Abend an Wangenheim und gegen Mitternacht an Wiegleben. Das Dorf wird in Urkunden Hochheyn genennt. Es hieß in alten Zeiten auch Lohhochheim. Schon 1209 tritt ein Herr desselben, Nahmens Rinner auf. Gottfried von Hochheim kömmt 1231, und Eckhard von Hochheim, 1257 vor. Letzterer hatte zween Söhne, welche Rüdiger und Albrecht hießen, und 1278 vorkommen (s. Denifle, Albrecht). Dietrich von Hochheim zeugte 1302. Ritter Eckhard von Hochheim vermachte dem Kreuzkloster 1 Hufe Land zu Bufleben, um ihm jährlich zweymal eine Seelenmesse zu halten. Die Klosterversammlung stellte 1305 eine Urkunde darüber aus. In der Folge gelangten die Herren von Wangenheim zum Besitze dieses Ortes.

[3. Teil, S. 149/150]

Tambach
  Dieses große Dorf [1780] liegt im thüringer Wald. (...) Ackerbau ist, wie man sich leicht vorstellen kann, nur wenig vorhanden. (...) Durch das Dorf geht der Fluß Tambach, in der gemeinen Sprache der Einwohner Tammich genannt. (...) An Wiesen und an schöner Weide auf dem Walde fehlt es nicht, und die Viehzucht macht daher einen der vornehmsten Nahrungszweige des Ortes aus.
  Der Wald, an welchen dieses Dorf stößt, wird schon 1039 der Tambach genennt, und von diesem hat ohne Zweifel auch der Ort seinen Namen bekommen. Die waldigen Berge, welche so heißen, verkauften Günther der Aeltere, ingleichen Günther und Heinrich, Brüder von Salza 1315 an Landgraf Friedrich I von Thüringen. Der Ort selbst gehörte den Herren von Meldingen, die ihn, nebst dem Schlosse Waldenfels und dem Dorfe Diethartz, 1293 an das Kloster Georgenthal verkauften.

[3. Teil, S. 262]

Waldenfels
  Obwohl Tambach als Dietharz gehörten, wie bereits gemeldet worden, zu dem Schlosse Waldenfels, welches in dem so genannten Schmalwassersgrunde, anderthalb Stunden weit von Tambach, über Dietharz nach Mittag zu, gestanden hat. Der Fels, auf dem es gebaut war, ist nach dem Grunde zu ein paar Stockwerke hoch, nach dem hinter ihm gelegenen Bühnenberge zu, aber weit höher. Er liegt ringsherum ganz frey; so daß man bloß auf einem schmalen Fußsteig auf denselben kommen kann. Oben ist der Fels fast cirkelrund und einige Fuß breit ausgehauen, so daß ihn eine Schildwache hat umgehen können. Der ganze Feld hat auf seiner Oberfläche aber nicht mehr als 24 Schuh im Durchmesser, und das Haus, welches auf demselben gestanden hat, muß daher nur einen kleinen Umfang gehabt haben. Man findet auch in der um den Felsen gelegenen Gegend keine Spur von einem Schlosse. Gleich bey Diethartz aber, etwas südöstlicher, liegt ein Platz, welcher die Schloßgrube heißt, wo ein, mehr als 100 Schuh langes und ziemlich breites Schloß, Nahmens Drachenburg, gestanden hat. Man vermutet daher, daß die Drachenburg das Wohnhaus, der Waldenfels aber blos eine Warte gewesen.

  Dieses Schloß gehörte bereits um die Mitte des 13ten Jahrhunderts dem Kloster Georgenthal, denn 1262 kaufte es ihm Graf Hermann von Henneberg ab, um in den damaligen fehdereichen Zeiten desto näher zu der Vertheidigung desselben zu seyn. Zu gleicher Zeit übernahm er auch 60 Mark Schulden, die es an den Jüngern von Falkenstein und viele andere zu fordern hatte, und die ihm vielleicht deswegen feindlich begegneten. Der Graf glaubte sie, vermutlich eher als das Kloster, zur Bezahlung derselben nöthigen zu können. Genug, er trat ihm dafür seinen dem Kloster nahgelegenen Wald ab, und erlaubte ihm denselben zu verkaufen, um sich nicht nur wegen der gemeldeten 60 Mark, sondern auch wegen aller anderen Forderungen, zu entschädigen. Dieser Graf muß dem Kloster entweder viele Verbindlichkeiten, oder sonst wichtige Ursache der Gewogenheit gegen dasselbe gehabt haben. Denn er wies ihm damals auch 53 Mark zum Almosen an, und verschrieb ihm deshalb den oben gemeldeten Wald. (...)
  Der Graf setzte hierauf einen Voigt auf das Schloß Waldenfels, welche Stelle Bertold von Siebeleben 1265 bekleidete. Er war einer der Abgeordneten des Grafen, welche in gedachtem Jahre einen Streit verglichen, der wegen der Gränzen, zwischen dem Kloster und dem Grafen, entstanden war. Diese Bevollmächtigten des Grafen (...) kamen, nebst dem Abte Dietrich und einigen anderen aus der georgenthaler Klosterversammlung, in dem zwischen Tambach und Friedrichroda gelegenen Wald Howart an der Apfelstedt zusammen, und wählten acht alte und glaubwürdige Männer aus, unter welchen sich auch Ritter Eckard von Hochheim, vormaliger Voigt zu Waldenfels, befand. Diese mußten die wahre Beschaffenheit der Gränzen eidlich erhärten, und die obwaltenden Streitigkeiten wurden hierdurch in der Güte beigelegt. (s. Albrecht).

  In der Folge kam dieses Schloß, nebst den dazugehörigen Gütern, auf eine uns unbekannte Art, an die Herren von Meldingen. (...) Dieser Ritter verkaufte es 1293, nebst den dazugehörigen Dörfern Tambach und Diethartz, insgleichen dem daran stossendem Walde, an das Kloster Georgenthal. Der Kaufpreis bestand in 300 Mark Silbers. [Nachdem alle anderen Ansprüche anderer geregelt waren, gelangte es dem Kloster] 1303 (...) nunmehr zum ruhigen Besitze.

[3. Teil, S. 265-269]

Wangenheim
  [Viele] Oerter gehören den Herren von Wangenheim, einem der ältesten und ansehnlichsten Geschlechter des Herzogthums. Zwar ist es gar nicht wahrscheinlich, daß der Urheber desselben, Nahmens Udo, um das Jahr 936 mit den Hunnen nach Thüringen gekommen, König Heinrich dem Vogelsteller Beystand geleistet, und das Stammhaus Wangenheim erbaut habe (Nach Binhard sollen die Herren von Wangenheim, nebst den Herren von Ersa schon 450 aus Ungarn nach Thüringen gekommen sein). Doch kann man allemal für gewiß annehmen, daß dieses Geschlecht bereits um diese Zeit geblühet habe, denn Ludewig von Wangenheim wurde, wie Rudolphi meldet, 1057 zum erstenmal mit Wangenheim, Brüheim, Eberstedt und Tüngeda beliehen. Ein späterer Ludewig von Wangenheim wird in einer Urkunde vom Jahr 1133 als Lehnsmann Landgraf Ludewigs I angeführt. Um das Jahr 1174 lebten Günther, Hermann und Berthoch von Wangenheim, vermutlich drey Brüder. Bertoch von Wangenheim kömmt auch 1176 vor. Landgraf Hermann verlieh ihm die Voigten zu Katterfeld, die er wieder an Hartmannen und Ortwinen von Günthersleben vergab. Das Stift Fulda, dem sie aber ursprünglich gehörte, lösete sie 1196 wieder ein. Ein Ludewig von Wangenheim tritt 1217 und 1242 auf. Nach Heinrich Raspens Tode [1247] (...) lebten die Brüder Hermann und Udo von Wangenheim. Letzterer hatte einen Sohn, welcher ebenfalls Udo hieß. Dessen Söhne, Friedrich und Ludewig, sollen die beyden Hauptlinien des wangenheimischen Hauses, nemlich die eigentlich wangenheimische und die wintersteinische, gestiftet haben. (...) Deren Söhne hießen Albrecht und Friedrich.
  Noch besaß das wangenheimische Geschlecht lange nicht die ansehnlichen Güter, die es in der Folge erlangte. (...) Albrecht und Friedrich wurden 1321 von den Grafen Friedrich und Hermann von Orlamünde mit Hayna, Oesterbehringen, Weyda, Lohhochheim (...) und Frankenroda beliehen. Ein Friedrich von Wangenheim war um 1314 ein Geistlicher.

  Aus den Regesten Dobeneckers:
  7.12.1195: Worms - Kaiser Heinrich [VI.] beurkundet ..., daß der Fuldaer Ministerial Ludwig v. Wangenheim ... dem Kl. Georgenthal ... den Rest des Dorfes Catterfeld, welches sein Vater Berthoch ... nach Erbrecht erworben hatte und ... seinem Sohne vererbt hatte, für 112 Mark Silber verkauft und mit seiner Gemahlin Adelheid und seinen Söhnen Berthoch und Ludwig dem Kloster zu Händen Günthers d. Ä. Gr. v. Käfernburg ... übergeben hat.
   Heinrich, Abt v. Fulda bestätigt dies und anderes am 20.1.1196. (Bd. II, Nrn. 988. 998)
  15.1.1217: Ludwig von Wangenheim tritt in zwei Urkunden als Zeuge auf (Bd. II, Nrn. 1730. 1731).
  1242: Ludwig v. Wangenheim bezeugt den Verkauf des Waldes Tambuch an das Kloster Georgenthal (Bd. III, Nr. 1061).
  Jan. 1272: Ludwig, Friedrich und Albert, Edle gen. v. Wangenheim, übereignen mit Konsens ihres Vormundes, Friedrichs d. J. v. Treffurt, dem Kl. Georgenthal 2 1/2 Hufen zu Eschenbergen, die der damit von ihnen belehnte Burchard gen. Rapa v. Wangenheim dem Kloster verkauft hat (Bd. IV, Nr. 720).
  In direktem Zusammenhang mit Eckehard von Hochheim tauchen die v. Wangenheim in den Urkunden von 1219, 1260, 1261 und 1263 auf.

  Aus dem Genealogischen Handbuch des Adels, Freiherrliche Häuser A Band II 1956:
  Thüringer Uradel mit gleichnamigen Stammhaus nördlich Gotha, der mit Ludovicus de Wangenheim 1133, 1144 u. 1145 in Urkunden des Ldgrafen von Thüringen, des Erzbischofs zu Mainz und des Abtes zu Hersfeld als fuldaischer Ministeriale zuerst erscheint, und dessen ununterbrochene Stammreihe mit Ludwigs mutmaßlichem Sohn Bertohus de Wangenheim, urk. 1156 bis 1176 beginnt. Mit des Bertohus Urenkeln Ludwig ( nach 1299) und Friedrich ( zw. 1289 und 1297) teilt sich das Geschlecht in die Stämme Wangenheim und Winterstein (südl. Gotha).

  Aus dem Buch des Friedrich Hermann Albert von [Wangenheim, S. 33]:
  "Wangenheim mit seinem festen Schlosse und der großen Flur des davor belegenen Dorfes, Tungeda und Hochheim, Goldbach, Westhausen, Pfullendorf, Reichenbach und Oesterbehringen scheinen von Alters her den Kern der freien Besitzungen des Geschlechts gebildet zu haben."

  Verzeichnis der Wangenheim'schen Vasallen, Ministerialen und Burgmannen nach ihren verschiedenen Familien, wie sie urkundlich begegnen:

1.Eckehardus de Hochheim
Gyseler v. Hochheim
Apel v. Hochheim mit Fritz
Apel mit seinen Söhnen
Heinrich v. Hochheim
1219
1349
1382
1384
1403
8.Dominus Heinricus dictus Snoibersack
Dominus Heidenricus dictus Sac - miles
1270
1296
1305
2.Hugo de Escheneberc1219 9.Ekehardus Ciriol1276
3.Berthous, Ekehardus Conradus
milites de Beringen

1242
10.Hertwigus v. Weberstedt1276
4.Berthous et Hermannus Schaf, milites - Bertoldus ovis1276
1277
11.Hermannus de Utenrode
Dominus Bertholdus de Utenrode
1276
1296
1305
5.Albertus de Lare1242 12.Guntherus Smucke1277
6.Albertus de Tungede1242 13.Christanus dictus de Goltpech1296
7.Thiedericus Rube zu Goldbach
Burchardus Rufa
Dominus Albertus dictus Rube
Burchardus dictus Rube advocatus in Sonneborn
1276
1277
1296
1296
1297
14.Hetzeboldus de Sonneborn ..1315

[S. 124-27]
  Die ersten sechs Generationen:
1. Lodowicus I. 1133-1145
2. Berthous I. 1156-1176
3. Ludowicus II. 1195-1228
4. Ludowicus III. 1193-1259
   Berthous II. 1195/96
5. Meynher 1242
   Albertus I. 1242-1296 (miles)

Haus Wangenheim Haus Winterstein
5.Ludowicus IV.1242-1299 5.Friedericus I.1276-1289
6.Ludowicus V.
Friedericus II.
Conrad
Jutta, Adelheid, Gertrud,
Heilwig und Hedwig
1289-1318
1289-1330
1289
1289
6.Albertus oder Apel II.
Friedrich III. Ritter
(Landvoigt in Thüringen)
Helwiges
(Nonne im Kl. St. Crucis zu Gotha)
1296-1333
1296-1353
1297
[Faltblatt]

  Das Kirch- und Pfarrdorf Hochheim, eine halbe Stunde östlich von Wangenheim gelegen, machte von jeher einen integrierenden Teil der Herrschaft Wangenheim aus (...) Hochheim scheint von den Herren von Wangenheim hauptsächlich zur Ausstattung der Burgmänner des Schlosses Wangenheim mit Ritterlehen benutzt zu sein, und wir finden frühzeitig das rittermäßige Geschlecht, welches sich von Hochheim nannte, auch unter den Burgmännern von Wangenheim, (...) In Hochheim selbst scheint die Familie Hochheim, aus welcher uns zuerst 1219 Eckehardus de Hochheim als Zeuge begegnet, nach unseren Urkunden nicht lange begütert gewesen zu sein, da uns im 14. und 15. Jahrhundert lauter Vasallen mit anderen Namen begegnen. (S. Albrecht).[S. 853]

Winterstein
  Aus Mittelalterliche Burgen und Wehrbauten in Thüringen (11. - 13. Jh.):
  Die Burg Winterstein der Herren von Wangenheim, am Fuße des Inselberges zur Sicherung einer Paßstraße über den Thüringer Wald gebaut, entstand vor 1250. (S. 19)

1 Diese Seite - soweit es den Text Gallettis betrifft - entspricht dem Abdruck im vierbändigen Werk, daß in den Jahren 1779-81 bei Ettinger zu Gotha erschien. Die Zwischenüberschriften sind von mir zur besseren Übersichtlichkeit hinzugefügt.