Kreuzzüge

kreuzz
Einige Konzilien
Häresie
Orden
Päpste
Erster Kreuzzug (1096-99)
Zweiter Kreuzzug (1147-49)
- Wendenkreuzzug
Dritter Kreuzzug (1189-92)
Vierter Kreuzzug (1202-04)
Kinderkreuzzug (1212)
Fünfter Kreuzzug (1228-29)
Sechster Kreuzzug (1248-54)
Siebter Kreuzzug (1270-72)
Humbert von Romans (1274)

Saladin (1137/38-93)

Kumt ein ohse in fremediu lant,
er wirt doch für ein rint erkant.

Swer ungerne lange lebe,
dem râte ich, daz er z' Akers strebe.

Freidank, S. 178/179; 194/195
Kommt auch ein Ochs' in fremdes Land,
er wird sofort als Rind erkannt.
139,13
Wer keine Lust hat, lang' zu leben,
dem rat' ich, Akkon zuzustreben.
Freidank 156,4
[28.11.04]

Allgemein

  Kreuzzüge waren die im Mittelalter von der Kirche propagierten oder unterstützten Kriege gegen "Heiden" oder Häretiker, v.a. die vom Ende des 11. bis zum Ende des 13. Jahrhunderts unternommenen Züge zur Befreiung der heiligen Stätten von islamischer Herrschaft; dabei mischte sich die Wallfahrtsgewohnheit mit der zeitgenössischen Interpretation von Augustinus' "gerechtem Krieg". Die Kreuzzüge waren auch politisch und wirtschaftlich motiviert. [VoL 6, S. 574]
  An ihnen nahm nicht nur die Masse der beutelüsternen Ritterschaft teil, sondern auch viele Tausende von Armen und Notleidenden zogen mit, vertrauend auf die Versprechungen des Papstes Urban II., des Initiators des ersten Kreuzzuges, die er auf der Synode zu Clermont im Jahre 1095 machte: "Jerusalem, das ist der Nabel der Welt, das fruchtbarste Land im Vergleich zu allen übrigen Ländern der Welt, buchstäblich ein zweites Paradies ... Wer hier bekümmert und arm ist, wird dort reich und froh sein".
  Unter der Fahne der Befreiung des Heiligen Landes bzw. des Heiligen Grabes konnte der römische Papst die Rolle eines Einigers und Hauptes aller christlichen Herrscher übernehmen; mit den Kreuzzügen vermochte man die feudalen Räuberbanden in Europa loszuwerden, die die ländlichen Ortschaften verwüsteten, und mit ihnen alle unruhigen Elemente und alle, die es nach irdischen Gütern gelüstete. Im Falle eines Mißlingens verlor der Stellvertreter Gottes nur seine tatsächlichen oder potentiellen Rivalen; ein Sieg über die Ungläubigen aber verhieß ihm unermeßliche Reichtümer und ewigen Ruhm. Besonders die ersten Kreuzzüge dienten der Festigung der Autorität des Papstes und nährten die Illusion, er sei imstande, die Qualen der Leidenden und Bedürftigen zu lindern (...). Und obgleich diese Hoffnungen und Träume teilweise schon nach dem ersten Kreuzzug in beträchtlichem Maße dahinschwanden - als nämlich klar wurde, daß von ihm nur die kirchliche Hierarchie und die Führungsschicht der Kreuzfahrer profitiert hatten -, so brachte doch die Idee der Befreiung des Heiligen Grabes dem Papsttum noch lange nicht nur materielle, sondern auch geistige Dividende. [Grigulevic, S. 77 f.]
  Schon vor dem 1. Kreuzzug gewährte Papst Alexander II. 1063/64 den christlichen Kriegern im Kampf gegen die Muslime in Spanien und Sizilien einen Ablaß. In Spanien trugen vor allem König Alfons VI. von Kastilien-Léon (1072-1109) und Rodrigo Diaz (um 1043-1099), der unter dem maurischen Beinamen Cid (Herr) zur Hauptfigur der spanischen Heldendichtung wurde, die "Reconquista" gegen die Mauren weiter in den Süden (1085 Toledo) und Osten vor. Die Normannenfürsten Roger und sein Bruder Robert Guiscard begannen mit der Eroberung Siziliens, bis Roger 1091 den letzten muslimischen Stützpunkt seiner Herrschaft einverleiben konnte. Ein knappes Jahrzehnt vor dem 1. Kreuzzug unternahmen die Seehandelsstädte Genua und Pisa einen erfolgreichen Kriegszug gegen die Sarazenen, den Papst Viktor III. protegierte. [AuG, S. 21 f.] [17.3.00]

Erster Kreuzzug (1096-1099):
  1095 löst Papst Urban II. auf dem Konzil zu Clermont die Kreuzzugsbewegung zur Eroberung Jerusalems und Brechung der Macht des türkischen Islam aus. Findet besonderen Anklang auch bei armen Bauern (Hungerjahre), landlosen oder verschuldeten Rittern, Städten mit Orienthandels-Interessen. Peter von Amiens unterstützt den Aufruf durch Predigten. 1096 zieht ein schlecht ausgerüsteter Haufen armer Bauern vor dem Kreuzritterheer durch Südosteuropa nach Kleinasien und wird dort vernichtend geschlagen. Reste schließen sich in Konstantinopel dem Ritterheer an. [Stein, S. 468/69] [5.11.04]
  Ein Heer von über 100.000 Mann brach im August 1096 auf (...) Am 15. Juli 1099 nahm Gottfried von Bouillon IV. von Niederlothringen Jersualem ein und bildete ein Königreich mit Lehnsstaaten, was 1101 ein zweites Heer von über 200.000 Mann in Bewegung setzte, das wohl überwiegend aus Abenteurern, Glücksrittern sowie entlaufenden oder amnestierten Verbrechern bestand und fast gänzlich durch die kampferprobten Seldschuken in Kleinasien zugrunde ging. [Obermeier, S. 115] (Erst 1187 wurde Jerusalem durch Sultan Saladin zurückerobert, was den Ausschlag für den 3. Kreuzzug gab). Sein Bruder und Nachfolger Balduin trug erstmals den Titel eines Königs von Jerusalem. Die Schwäche der Kreuzfahrerstaaten durch Streitigkeiten der Fürsten ermöglichte dem Islam 1144/45 die Rückeroberung von Edessa. Sie gab den Anstoß für den Aufruf Bernhards von Clairvaux zum [17.3.00]

Zweiter Kreuzzug (1147-1149),
  an dem sich der Staufer Konrad III., Ludwig VII. von Frankreich und Roger II. von Sizilien beteiligten. Der Zug von etwa 140.000 Menschen scheiterte aber bereits auf dem Marsch durch Kleinasien (während englische, flämische und friesische Kreuzfahrer, die über See unterwegs waren, 1147 bei der Eroberung der bis dahin islamischen Stadt Lissabon entscheidende Hilfe leisteten. [AuG, S. 23]). Man schätzt, daß nur etwa 1/10 in die Heimat zurück kehrten, wobei sie die schwarze Ratte nach Europa brachten, deren Flöhe die Pest verbreiteten. Nach der Einnahme Jerusalems durch Sultan Saladin (1187) kam es zum 3. Kreuzzug. [17.3.00]

Wendenkreuzzug
  Verfehlte, doch eingebürgerte Bezeichnung eines Nebenunternehmens zum 2. Kreuzzug 1147 gegen die »Heiden des Nordens« ohne klare Vorstellung ihrer Ausbreitung. Urheber war offenbar Bernhard von Clairvaux aufgrund nicht allgemein geteilter eschatologischer Naherwartung (verheißene Endzeitbekehrung aller Welt). Auslöser war der Versuch der Sachsen, sich dem Jerusalemzug zu entziehen durch Hinweis auf eine eigene Heidengrenze. Bernhards Parole »Vernichtung oder Bekehrung« ist ursprünglich sibyllinisch; auch das von der Norm abweichende Zeichen (Kreuz auf dem Erdkreis) weist auf den genannten Zusammenhang. Papst Eugen III. billigte den Plan nachträglich abgemildert - dies vielleicht unter Einfluß Anselms von Havelberg, den er zum Legaten für den Wendenkreuzzug bestellte - als Kreuzzug mit Bekehrungsziel (Missionskreuzzug) ohne gleiche Unbedingtheit. Deutsche und Dänen zogen gegen die ostelbischen Slaven (Wenden) und erreichten eine formale Christianisierungszusage (Massentaufen); Polen wandten sich gegen die baltischen Prußen (Näheres unbekannt). Der Wendenkreuzzug schwächte die Widerstandskraft gegen die deutsche Ostexpansion, sein Missionserfolg war gering. Neue Herrschaftsbildungen (Grafschaften Dannenberg und Lüchow; Herrschaften Friesack und Ruppin) sind aus dem Wendenkreuzzug nur vermutungsweise abzuleiten, ebenso die ideelle Anknüpfung jüngerer Missionskriege im Ostseeraum. Abwegig ist die Konstruktion eines Zusammenhangs zwischen dem Wendenkreuzzug und dem Beginn der deutschen Siedlung in Siebenbürgen. H.-D. Kahl, [LdM VIII, Sp. 2183] [26.1.06]

Dritter Kreuzzug (1189-1192)
  Reichskrieg unter Führung von Kaiser Friedrich I. Wegen Zwistigkeiten zwischen den ebenfalls teilnehmenden Königen Philipp II. von Frankreich und Richard I. Löwenherz von England nach dem Tode Friedrichs (1190) führte der Kreuzzug lediglich zur Eroberung von Akko durch Richard. Der [17.3.00]

Vierter Kreuzzug (1202-1204)
  endete unter Bonifatius II. von Montferrat und dem 94-jährigen venezianischen Dogen Enrico Dandalo (unter der Regie von Papst Innozenz III.) mit der Eroberung Konstantinopels:[VoL 6, S. 574]
  Am 17. Juli 1203 erlag die byzantinische Hauptstadt, die etwa 900 Jahre lang den Eroberungsversuchen selbst der Perser und Araber getrotzt hatte, dem Ansturm der Kreuzfahrer. Nach einem Intermezzo wurde die Stadt am 13. April 1204 nochmals erobert. Damit wurde die Stadt zweimal furchtbar geplündert und dreimal in Brand gesteckt. [Kühner, S. 69] Viele Bewohner der Stadt, die mit wohl weit mehr als 100.000 Einwohnern die volkreichste Europas war, wurden ermordet. Zahlreiche Denkmäler und Kunstwerke wurden zerstört oder erbeutet. Wie die Beute (im Werte von etwa 400.000 Mark Silber) wurde daraufhin das byzantinische Reich unter den Eroberern aufgeteilt, wobei sich der Doge allein 3/8 und die Hauptstadt sicherte. Das sog. Lateinische (das nur 57 Jahre dauerte) und zwei griechische Reiche wurden gegründet. Durch die Aufsplitterung schied diese Europa und Asien verklammernde Macht als Autorität und Mitgestalterin des politischen Kräftespiels in Europa aus. [AuG, S. 27] [17.3.00]

Kinderkreuzzug
  1212 fand, ausgehend von Vendôme und den Rheinlanden, ein Kreuzzug mehrerer tausend 10-15jähriger statt, die größtenteils unterwegs umkamen bzw. in die Sklaverei gerieten.
  Zehntausende von Kindern aus Niederlothringen, den Rheinlanden und aus Frankreich machten sich in ihrer naiven Begeisterung auf nach Palästina. Der Kreuzzug fand nicht die Unterstützung des Papstes und der Bischöfe, konnte [oder wollte] aber nicht verhindert werden. Tausende finden beim Alpenübergang den Tod, andere kommen bis Genua, können sich aber nicht einschiffen und kehren entweder um oder ziehen weiter südwärts. Zahlreiche geraten schließlich in die Sklaverei nach Nordafrika. [E2J, S. 77]
  Mit einem der herkömmlichen Kreuzzugsunternehmen nicht vergleichbar, waren es - aus der Sicht der Zeit - keineswegs 'Kinder', die sich in Paris und Köln zusammenrotteten. Mit vierzehn Jahren galt ein Heranwachsender damals bereits als mündig und ehefähig und unterlag der vollen Härte des Strafgesetzes. Vom Schicksal der meist jugendlichen Teilnehmer - das auch niemanden sonderlich interessierte - hätte das in sich zersplitterte Abendland kaum etwas erfahren, wenn nicht nach Jahrzehnten einige wenige lebend aus der Gefangenschaft des Orients zurückgekehrt wären. [Berling, S. 492]
  Die Folge (der Albigenserkriege, Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und England, Welfen und Staufer, Kaiser und lombardische Städte) waren eine totale Verelendung weiter Landstriche, Hungersnöte und Seuchen in den Städten und zunehmend verwaiste, verwahrloste Kinder. Kein Wunder also, daß es nur des zündenden Funkens bedurfte. Den drohenden Aufruhr zu kanalisieren, konnte höchstens der Macht gelingen, die sich immer noch als "supra partes" verstand, obgleich sie es selten war. Angesichts der drohenden Ketzergefahr war es auch die Kirche Roms, die einen gewaltsamen Umsturz immer noch verbindlicher Dogmen mehr als jede weltliche Macht fürchten mußte. Die sancta ecclesia catholica hatte erheblich an Einfluß zu verlieren, also griff sie wie ein erfahrener Medicus bei zu hohem Blutdruck zur Gewaltkur, zum - geschickt mit Heilserwartung verquicktem - Aderlaß.
  Zu beweisen ist ihr das nicht. Aber - auch wenn die Zahlen übertrieben sein mögen - Zigtausende von potentiellen jugendlichen Störenfrieden verschwanden im gleichen Jahr von der Bildfläche. Ihr Verlust wurde von keinem beklagt. Der kirchlichen Autorität einen Vorwurf zu machen ist billig, selbst wenn sie nur weggeschaut hätte, statt ihn zu verhindern. Eine Lösung, wie sie Franz von Assisi bot, stand lediglich lokal begrenzt in Italien zur Verfügung. Nicht einmal eine straff organisierte Auffangbewegung wie die der Dominikaner hätte das Problem so schnell in den Griff bekommen. Der Druck im Faß der Armut und Hoffnungslosigkeit war zu hoch, er hätte sich auf jeden Fall seinen Weg gesucht - diesen oder einen anderen! [Peter Berling, Das Kreuz der Kinder, Ullstein Juni 2004, S. 494 f.] [28.11.04]

Den Fünften Kreuzzug (1228/1229)
  unternahm Kaiser Friedrich II. nach der Bannung durch Papst Gregor IX. Friedrich erhielt in einem zehnjährigen Friedensvertrag mit Sultan Al Malik Al Khamil u.a. Bethlehem, Nazareth und Jerusalem, wo sich der Kaiser zum König von Jerusalem krönte. Jerusalem ging bereits 1244 wieder verloren.
  Die Rückkehrer vom Kreuzzg schleppen um 1230 Lepra nach Europa ein. [Stein, S. 531]

  Zwischen den "regulären" Kreuzzügen konnten auch profanere Angelegenheiten zu 'Kreuzzügen' stilisiert werden, d.h. es wurden Kreuzritter für politisch-kirchliche Eroberungen geworben. Die mit Ablässen belohnten Ritter halfen dann z.B. den Deutschordensrittern bei der Niederschlagung von Aufständen der Pruzzen (1242 - 1249) oder sie durften widerspenstige Bauern, die der Ketzerei beschuldigt wurden, niedermachen (1234). [17.3.00, geändert 26.3.07]

Sechster Kreuzzug (1248-1254),
  Ludwig IX. von Frankreich wählte den Weg über Ägypten, wo er nach der Eroberung von Damiette mit seinem Heer in Gefangenschaft geriet, aber gegen Lösegeld freigelassen wurde. [VoL 6, S. 574] Nach seiner Rückkehr nach Frankreich trat die Vorherrschaft der italienischen Seestädte in den urbanen Zentren und die Übermacht der aus der Kreuzzugsbewegung hervorgegangenen Ritterorden auf dem flachen Lande noch deutlicher hervor. Die Konkurrenz zwischen dem Johanniter- und dem Templerorden, die zeitweise sogar zu offenen Kriegen führte, und die jahrzehntelangen Auseinandersetzungen zwischen den italienischen Seemächten Venedig, Genua und Pisa um die Vorrangstellung im östlichen Mittelmeer haben zum Niedergang der Kreuzfahrerstaaten wesentlich beigetragen. [AuG, S. 25] Den [17.3.00]

Siebter Kreuzzug (1270-1272)
  unternahm Ludwig 1270 nach Tunis. Die Geschichte der Kreuzfahrerstaaten endete mit der Einnahme Akkos 1291 durch die Muslime. [17.3.00]
  Durch die Kreuzzüge kamen vom Orient nach Europa: Buchweizen, Mais, Reis, Pfeffer, Zitrone, Aprikose; stärkerer Rohrzuckerverbrauch; Stoffe, Kleidung, Möbel; Glas-, Seidenherstellung, Spielkarten und anderes. [Stein, S. 567] [5.11.04]

Hauptquelle: [VoL 6, S. 574]

Humbert von Romans,
  fünfter Ordensmeister der Dominikaner (1254-1263) verfaßte - wahrscheinlich für das 2. Lyoner Konzil - eine Schrift mit dem Titel: Opusculum tripartitum. Papst Gregor X. hatte zum 1. Mai 1274 das allgemeine Konzil, dessen Hauptaufgaben darin bestehen sollte, einen Kreuzzug gegen die Sarazenen, die Union mit der griechischen Kirche und die innerkirchliche Reform zustandezubringen, ausgeschrieben und in seinem Einberufungsbriefe "Salvator noster" dazu aufgefordert, wer notwendige kirchliche Reformen vorzuschlagen habe, solle seine Ansichten schriftlich niederlegen und dann dem Konzile zur Kenntnis bringen. Humberts Schrift geht in drei Teilen auf die Anliegen ein:

  Der erste Teil handelt von der Lage der Christenheit gegenüber den Sarazenen und vom Kreuzzuge. Es sind deshalb mannigfaltige Anklänge an Humberts "Kreuzpredigt" zu finden, und zwar ist es bemerkenswert, daß die Grundhaltung dieselbe geblieben ist. Noch immer ist Humbert ein erklärter Gegner einer allmählich stärker werdenden Zeitströmung, die von Kreuzzügen nichts wissen wollte. Es ist zu beachten, daß zwischen der Abfassungszeit der beiden Schriften, die nur wenige Jahre auseinanderliegen, ein bedeutender Einschnitt liegt, der ergebnislose Kreuzzug Ludwig IX., durch den die Christenheit im Jahre 1270 diesen großen König verlor. Humbert hat einen schweren Stand, die Einwände, die man gegen Kreuzzüge erhob, zu entkräften.
  In acht Kapiteln (Kap. 10-17) setzt er sich ausführlich mit den Kreuzzugsgegnern und ihren sieben Argumenten auseinander. Er sagt, man bekomme die Meinung zu hören, Christen dürften kein so großes Blutvergießen anrichten, auch nicht, wenn es sich um Ungläubige handle. Christus habe es verboten, Böses mit Bösem zu vergelten, er habe gelehrt, das Märtyrerleid zu erdulden. Auch Päpste und Konzile hätten den Krieg verboten. Dagegen wendet nun Humbert ein, die Zeiten hätten sich gewandelt, in den Anfängen sei das Christentum machtlos gewesen und habe deshalb nur mit der Waffe des Machtlosen kämpfen können, der Demut. So sei es durch Wunder, Leiden der Heiligen und heilige Lehre vorangekommen und durch keinerlei Macht, damit der Sieg nicht den Menschen, sondern der göttlichen Kraft zugeschrieben werde. Dann aber, als die Christenheit in den Besitz der Macht gekommen war, habe sie diese zur Verteidigung anwenden müssen; "denn wozu hätte ihr die göttliche Vorsehung weltliche Macbit gegeben, wenn sie nicht wollte, daß davon Gebrauch gemacht würde." Die alte Christenheit habe u. a. die Wunder und den hl. Geist zur Verfügung gehabt, der ihnen das Notwendige eingab, jetzt aber sei das alles nicht mehr vorhanden, dafür jedoch die Macht. Humbert ist sich also klar darüber, daß die Kirche sich entscheidend gewandelt hat, und er kann denen, die auf Grund von Jesu Lehre einen Kreuzzug ablehnen, den berechtigten Vorwurf machen, sie richteten sich ja auch sonst nicht so sehr nach der frühchristlichen Kirche; denn sie wollten nicht arm, sondern reich sein, nicht in Selbsterniedrigung sondern in Ehren leben und nicht in Dürftigkeiten sondern in Annehmlichkeiten. Solange sie das nicht änderten, könnten sie auch nicht verlangen, daß die Kreuzzüge eingestellt würden, die zur Verteidigung der Christenheit notwendig seien. Anschließend legt Humbert dar, die Kirche sei berechtigt und verpflichtet, sich mit Waffengewalt gegen Ungläubige und Missetäter zu wenden; "denn wer ist so albern, daß er es wagen wollte, zu sagen, man dürfe den Ungläubigen oder Bösen nicht widerstehen, wenn sie alle Christen töten und den Kult Christi aus der Welt austilgen wollen!" Humbert bringt auch die wenigen Stellen des neuen Testaments an, die für die Berechtigung eines hl. Krieges zu sprechen scheinen, und kommt schließlich zu dem mühseligen und blassen Ergebnis, "daß es in der christlichen Religion nicht unschicklich (inconveniens) ist, gegen die Sarazenen in den Krieg zu ziehen."
  Nicht ganz so schwer ist es für Humbert, einen zweiten Einwand zu widerlegen, man müsse, auch wenn die Sarazenen keine Schonung verdienten, doch wenigstens das Leben und Blut der Christen schonen, da diese auf den Kreuzzügen scharenweise umkämen, und zwar auch unersetzliche Persönlichkeiten wie Ludwig IX. Humbert entgegnet, nicht nur auf die Gegenwart mit den Niederlagen im Kampfe gegen die Sarazenen dürfe man sehen. Diese Verluste seien nur ein Zeichen für einen geheimen Ratschluß Gottes und seinen Zorn über die Sünden der gegenwärtigen Christenheit. Man solle aber die Geschichte betrachten, da zeige sich, daß in früheren Zeiten seit Karl Martell immer weit mehr Sarazenen als Christen gefallen seien. Doch abgesehen von diesen zeitlichen Erfolgen oder Mißerfolgen kann Humbert den christlichen Gedanken der Hingabe ins Feld führen. Vom bloßen Nützlichkeitsstandpunkte aus müßte man es als Narrheit ansehen, daß so viele Märtyrer den Tod für den Glauben wählten und daß die Christenheit dadurch ihrer besten Menschen beraubt wurde. Eben erst hat Humbert im vorhergehenden Kapitel es gerechtfertigt, daß die Kirche nicht mehr an dem urchristlichen Pazifismus festhalte, weil sie sich auf Erden behaupten wolle. Hier nun zeigt sich deutlich, daß Humbert, der für diese Art Kompromiß eintritt, sich der Gefahren eines irdisch orientierten Christentums bewußt ist. Er weiß, daß schließlich überhaupt nichts mehr vom Christentume selber übrig bleibt, sobald der Gesichtspunkt der Nützlichkeit darüber zu entscheiden hat, wie weit der Kompromiß mit der Welt gehen solle. "Wenn der Menschenmangel in der Christenheit so sehr zu fürchten wäre, müßten die Christen die Jungfräulichkeit verwerfen, und alle müßten zum Heiraten angehalten werden, um die Christen zu vermehren. Ferner ist es nicht das Ziel des Christentums, die Welt, sondern den Himmel zu füllen. Was also macht es aus, wenn die Christen in der Welt durch den Tod verringert werden, den sie um Gottes willen erdulden; denn durch einen solchen Tod gehen sie ja ins Himmelreich ein, während sie auf einem anderen Wege vielleicht nie dorthin gekommen wären."
  Ein weiterer Vorwurf, den die Gegner der Kreuzzüge machten, besagte, es heiße Gott versuchen, wenn man die Sarazenen im Orient bekämpfe. Dort seien sie als Eingesessene den Kriegern des Abendlandes weit überlegen, weil diese nur in verhältnismäßig geringer Zahl dorthin gelangen und dann das Klima und die anderen ungewohnten Bedingungen des fremden Landes nicht ertragen könnten. In der Entgegnung gibt Humbert zu, "nach menschlicher Weisheit" sei vieles, was einen Kreuzzug in die mohammedanischen Länder erschwere. Doch seien die Christen besser gestellt, wenn man es nach "göttlicher Weisheit" betrachte, da sie für die Gerechtigkeit kämpften und Gott, wenn ihre Sünden das nicht hinderten, zum Helfer hätten. Schon manchmal habe man trotz schlechtester Bedingungen die ruhmreichsten Siege errungen. Deshalb weist Humbert den Vorwurf, man versuche Gott, zurück.
  Einige Kreuzzugsgegner sagten, man solle die Sarazenen nicht angreifen, sondern sich nur verteidigen. Darauf erwidert Humbert, es sei überall dort, wo der Islam vordringe, Schluß mit dem Christentum. Dem müsse man durch einen Angriffskrieg vorbeugen, um den Gegner zu schwächen. "Wer sich nicht nach Kräften der Ungerechtigkeit entgegenstellt, scheint ihr zuzustimmen". Es sei erlaubt, Sarazenen zu töten; denn sie hätten ein Gesetz, niemals die Predigt der Christen zu hören, und Jesus sage: "Meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrsche, bringet her und tötet sie vor mir" (Lk. 19, 27). Auch sei der Orient früher christlich gewesen und nur geraubt worden. Humbert kommt zu dem Schlusse, ein Angriffs krieg gegen die Sarazenen sei gerecht, außer wenn Verträge bestünden (treugae!).
  Es wurde auch der Vorwurf laut, man müsse doch die Juden und Sarazenen des Abendlandes, die unter christlicher Herrschaft lebten, auch vernichten, ebenso die Tataren und andere Heiden, wenn die Kreuzzüge von ehrlichen Beweggründen veranlaßt würden. Humbert gibt zur Antwort, für die Juden sei prophezeit, ihre Ueberreste würden in der Endzeit bekehrt werden (Röm. 11, 26), eine im Mittelalter übliche Einstellung. Die Sarazenen in christlichen Gebieten könnten gezwungen werden, die christliche Missionspredigt zu hören, und so dürfe man noch hoffen, daß sie bekehrt würden. Man könne auch nicht Untergebene vernichten, und die Juden seien den Christen das abschreckende Beispiel des Unglaubens. Die unterworfenen Sarazenen hätten Tribute zu zahlen und Kriegshilfe zu leisten, seien also durch ihre Dienste nützlich. Gegen die Tataren und andere Heiden solle man sich mannhaft verteidigen, aber sie nicht angreifen. Man dürfe hoffen, daß sie, wie es prophezeit sei (Daniel 7), bekehrt würden.
  Weiterhin sagten die Gegner, man mache die Mohammedaner durch die Kreuzzüge nur noch hartnäckiger und feindseliger. Das entspräche nicht der christlichen Liebe; denn man befördere sie, wenn man sie in ihrem Widerstande töte, nur in die Hölle. Es sei sinnlos, ihre Gebiete zu entvölkern, weil die Bewohner des Abendlandes sich im Orient nicht auf die Dauer ansiedeln wollten und so ihre Länder veröden würden. Darauf antwortet Humbert u. a., die Sarazenen hätten das Christentum längst ausgerottet, wären sie nicht auf Widerstand gestoßen. Man solle es aber nicht erst so weit kommen lassen, daß der Krieg auf eigenem Boden geführt würde. Nur ein Angriffskrieg könne den Sarazenen ihren Hochmut nehmen, und die Christen kämen dann nicht bei allen Völkern, z. B. den Tataren, in den Ruf der Feigheit, sondern würden als Macht gefürchtet und blieben vor Angriffen verschont. Die Sarazenen sollten ja nicht alle vernichtet werden, sondern nur die Geißel Gottes zu spüren bekommen, damit sie einmal merkten, daß etwas mächtiger als sie ist. Nur dadurch könnte ihr Vertrauen zu Mohammed erschüttert werden. Nicht sei es beabsichtigt, sie in die Hölle zu schicken, sondern sie sollten nur einem gerechten Gericht unterworfen werden. Gottes Vorsehung meine es gut mit ihnen, wenn sie den Tod erlitten und so verhindert würden, ihr Sündenleben noch weiter zu führen. Und was die Entvölkerung anbelange, so sei zwar im Augenblick nicht sofort Ersatz aus den christlichen Ländern vorhanden; wenn man aber einzelne feste Plätze besäße, würden sich sicher viele Sarazenen, Griechen und andere Völker als abgabepflichtige Bebauer des Landes einfinden, ähnlich wie es jetzt in Achaja sei. Auch bestünden dann größere Aussichten, daß die Sarazenen sich allmählich bekehrten.
  Als letzten der sieben Einwände gegen einen Kreuzzug nennt Humbert die Ansicht, es sei nicht Gottes Wille, daß die Christen in dieser Weise gegen die Sarazenen vorgingen, da Gott die vielen Mißerfolge und Verluste zulasse. Humbert entgegnet, nicht in dieser Welt sei der Ort der göttlichen Vergeltung. Gott lasse seine Sonne über Gute und Böse aufgehen und so würden auch die Guten vom Unglück betroffen, ja noch mehr als die Bösen, deren irdisches Glück oft Verlorenheit bedeute. Nicht das Ziel des Kreuzzuges bestimme Gott dazu, daß er den Mißerfolg der Christen erlaube. Gott habe andere geheime Gründe, er wolle vielleicht die Sünden seines Volkes strafen oder durch das Leiden für die Gerechtigkeit die Verdienste der Christen mehren. Nur eines könne helfen, man müsse Gott flehentlich bitten, müsse in den eigenen Reihen die Mißstände in der Sittlichkeit tilgen, für Gottes Namen eifern und sich in seinen Willen ergeben. Dann würde dem unermüdlichen Bemühen schließlich doch der Erfolg zuteil werden.
  Dr. Fritz Heintke, Humbert von Romans - der fünfte Ordensmeister der Dominikaner, Historische Studien Heft 222, Dr. Emil Ebering, Berlin 1933, S. 127-132.
  Die Anmerkungen sind hier weggelassen. [27.1.02]

Namen

Saladin
  * Tikrit (Irak) 1137/38, Damaskus 4.3.1193
Eigentlich Salah Ad Din Jusuf Ibn Ajjub, Sultan von Syrien und Ägypten (seit 1175). - Begründer der Dynastie der Ajjubiden, von kurdischer Abstammung. Sein Aufstieg begann im ungeliebten Ägypten, weshalb er alsbald mit dem Joseph des AT verglichen wurde. Als Befehlshaber der Truppen des Zangiden Nuraddin von Damaskus beendete er 1171 auf dessen Druck hin das Kalifat der schiitischen Fatimiden und ließ die Freitagspredigt wieder im Namen des sunnitischen Abbasidenkalifen halten. Schnell wuchs er über die Rolle eines Statthalters Nuraddins hinaus; nur dessen Tod 1174 verhinderte eine militärische Kraftprobe. Noch 1174 konnte Saladin in Damaskus einziehen und das politisch-religiöse Erbe Nuraddins übernehmen. 1183 errang er die Herrschaft über Aleppo, nachdem dort Nuraddins Sohn gestorben war, und 1186 mußte Mosul wenigstens seine Oberhoheit anerkennen (1183 Siege über Mesopotamien und Seldschukenfürsten in Kleinasien).
  Mit wechselndem Erfolg führte Saladin gegen die Kreuzfahrerstaaten Krieg. Der entscheidende Sieg gelang ihm am 2. Oktober 1187 bei Hattin, wo er den König von Jersualem und die Großmeister der Templer und Johanniter gefangennahm, und besetzte Jerusalem. Bis auf das durch Konrad von Montferrat (28.4.1192 ermordet) verteidigte Tyrus eroberte er danach das Königreich Jerusalem. Dies löste in Europa den größten aller Kreuzzüge aus, der Saladin nicht unerwartet traf. Nach fast zweijähriger Belagerung gelang den Kreuzfahrern am 12. Juli 1191 die Rückeroberung Akkons. Richard Löwenherz drängte Saladin völlig in die Defensive, vermochte aber nicht, Jerusalem anzugreifen, und schloß 1192 einen Waffenstillstand auf drei Jahre. Trotz mehrerer Niederlagen konnte Saladin sich als Sieger fühlen, da Jerusalem in seiner Hand und die Herrschaft der Kreuzfahrer auf die Küste beschränkt blieb. Er starb wenige Monate nach dem von ihm finanziell (v.a. zu Lasten Ägyptens) und persönlich bis zur völligen Erschöpfung geführten Kampf, der andere muslimische Herrscher kalt ließ. Als sein Nachfolger setzte sich sein kluger Bruder al-'Adil durch. Das bei Hattin erbeutete Hl. Kreuz schenkte Saladins Sohn al-Afdal dem Abbasidenkalifen.
  Saladin trat als Vorkämpfer des Islam auf und versuchte damit seine Usurpation der zangidischen Macht zu legitimieren. Er war religiös, verabscheute Luxus, doch trotz aller Propaganda bildete der Hl. Krieg nicht das treibende Element seiner Politik. Saladins Ziel war wohl die Wiederherstellung des islamischen Großreiches unter seiner Führung. Infolge fehlender innerer Stabilität beruhte aber auch der Zusammenhalt seines Reiches auf ständiger Expansion. Gegen die Schiiten ging er nicht so scharf vor wie Nuraddin, obwohl er die Ausbreitung des sunnitischen Islam förderte. In bezug auf Andersgläubige beherzigte er Sure 2, 256: »In der Religion gibt es keinen Zwang.« Die Gestalt des "edlen Heiden" der europäischen Literatur wurde maßgeblich durch Saladin geprägt, dessen Handlungsweise (z.B. 1187 bei der Einnahme Jerusalems) nicht in das europäische Bild vom Islam als Religion blutiger Gewalt paßte. H. Möhring, [LdM VII, Sp. 1280 f.] [19.2.07]
  Mit den militärischen Erfolgen verband Saladin eine Politik der inneren Stärkung des sunnitischen Islams durch Stiftung von Bildungseinrichtungen. Seine starke ritterliche Persönlichkeit verschaffte ihm auch im Abendland Ruhm. [VoL 10, S. 88] [17.3.00]